Literatur: Franz Kafka und Theologie

Author Franz Kafka, ca. 1910s. Courtesy: CSU Archives/Everett Collection.

Franz Kafka is completely and utterly compelling.

Unfortunately, I’ve been doing all the reading and discussing and thinking and writing about him in German, and most of my thoughts haven’t yet sorted themselves out into English. Strange, this business of finally beginning to know another language. It’s freeing, though, too–there are topics I can only really discuss in German, in this language that is so new to me and thus carries with it none of the baggage and associations of my mother tongue. At any rate, I apologize to any readers (Jim!) who have been waiting for thoughts on Kafka, and promise to get something up in English quite soon.

In the meantime, here is a small essay in German, on the potential of a theological interpretation of The Castle. I’m rather proud of it, actually–the enigmatic German professor, usually reticent in his praise, said it was good and well written. And if any of my German-speaking readers would like to correct my syntax and grammar, please have at it!

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       Es ist allzu leicht, glaube ich, Kafkas Werke als reine Allegorien zu deuten. Der Mangel an absichtlich ideologische Aussagen des Autors lädt dem Leser ein, selbst eine umfassende Bedeutung in einen Roman oder eine Novelle hineinzulesen. Allegorische Interpretationsweisen sind bestimmt wertvoll, aber nur insofern als sie nie als die einzige Deutung eines Werkes gelten. Vielleicht sind Kafkas Werke nur Träume, die wir einfach als ästhetische Ereignisse annehmen sollen.

       Wenn es aber eine allegorische oder symbolische Interpretation von Das Schloss gibt, dann ist sie mit dem Theologischen tief verbunden. Es ist einfach genug, eine religiöse oder metaphysische Deutung des Werkes zu entwickeln: das Schloss repräsentiert den himmlischen Bereich oder die Gottheit selbst und K. der Alltagsmensch, der dringend versucht, sich in dieser Welt (und in der Sicherheit, Gemeinsamkeit, und Verständnis, die sie ihrer Eingeweihten anbietet) einzuwurzeln. Aber wenn das Schloss ein Symbol für das Metaphysische oder Theologische ist–wenn K.s Kampf um Eingliederung in die Gesellschaft auch ein religiöser Kampf ist–dann ist das Porträt der Religion, das Kafka uns hinterlasst, sehr zynisch. Kafka zeigt uns die dunkle, unmenschliche Seite der Religion, und die Tragödie oder sogar die Qual eines Menschen, der vergebens nach einer sinnvollen Verbindung mit seinem Gott sucht.

        In Kafkas Universum wird das Schloss (und der religiöse Bereich, den sie repräsentiert) immer unbestimmter, je näher man sie anschaut. Am Anfang des Romanes scheint das Schloss ein Teil einer handfesten, vertrauenswürdigen Welt zu sein. Das Gebäude liegt “deutlich umrissen in der klaren Luft und noch verdeutlicht durch den alle Formen nachbildenden, in dünner Schicht überall liegenden Schnee” (486).  Es wird ganz leicht sein, glaubt K., direkte Kontakt mit so einer Institution herzustellen–er hat schon einen Aufnahmebrief von Klamm und die telefonische Zusage des Schlosses selbst. Nach und nach aber wird das Schloss immer unerreichbarer. Das Gebäude verschwindet in der Dämmerung (568) und K. findet endlich heraus, dass alle Verbindungen mit den Schlossbeamten höchst betrügerisch sind. Auch der Telefonanruf des ersten Kapitels war vielleicht nicht mehr als der bedeutungslose Scherz eines “übermüdeten Beamter” (544). Es wird K. immer klarer, dass das Schloss für ihn nur auf unverständliche Weise zugänglich sei, wenn überhaupt. Jedem menschlichen Versuch, Eingang zu finden, setzt es sich wider.

        Die Welt des Schlosses steht dem Humanismus entgegen. Ihr Bereich liegt außerhalb (oder jenseits?) der Vernunft und des Verstandes. K.s Humanismus und Demokratie nutzen hier nicht. Er will als Mensch behandelt werden, sagt er, er will “immer frei sein” (485), er will sein Recht (546). Er will Antworten auf seine Fragen bekommen, und sofort. Er hat keine Zeit für Aberglaube und Zeremonie und haltet es als Gewinn, “frei vor einem Mächtigen [ie. Klamm] gesprochen zu haben” (524). Sinnvolle Forderungen–aber in Kafkas Welt hat der Weg nach oben, die Verbindung mit der Gottheit, nur wenig mit Vernunft und Rationalität zu tun. Hier gibt es nur Tyrannie und Verwirrung und Ambiguität. Die offizielle Vertreter des Schlosses gehören auch zu dieser Welt–der Sekretär Klamms ist sinnlos und verwirrend, die Gehilfen absurd und lächerlich, Klamm selbst geheimnisvoll und unerreichbar. K. erkämpft seine Autonomität, gewiss, aber nur, als er endlich zugibt, “als gäbe es gleichzeitig nichts Sinnloseres, nichts Verzweifelteres als diese Freiheit, dieses Warten, diese Unverletzlichkeit” (575).

       Vielleicht der tragischste Moment K.s Suche findet sich im achtzehnten Kapitel, als K. endlich zu einem Sekretär gerufen wird. Im Herrenhaus trifft er zufällig auf einen Beamten namens Bürgel, der anscheinend bereit ist, K.s Fragen zu beantworten. K. hat zum ersten Mal eine wirkliche Chance, echte Erklärung zu gewinnen–aber hier, fast am Ende des Romanes, ist er zu müde, diese Gelegenheit zu nutzen. Er schläft in Bürgels Buro ein, “abgeschlossen gegen alles, was geschah” (721), und verpasst völlig seine Rede. Scheinbar hört K.–der bisher nie nachgegeben hat–völlig auf, weiter zu kämpfen. Er hat kompromisslos nach einer Verbindung mit dem Schloss gesucht und jetzt ist endlich imstande, Hilfe und Antworten zu finden und etwas Echtes zu erreichen. Aber wenn er eine echte Möglichkeit hat, sich seinem Ziel wirklich zu nähern, ist er zu schwach, seiner eigenen Erschöpfung zu entgehen. Der menschliche Körper versagt ihm. Wer immer strebend sich bemüht, sagt Kafka, stirbt an Entkräftung.

       Kafkas Darstellung der theologischen Welt ist am Ende völlig pessimistisch: die Gottheit ist unbestimmt und unnahbar, ihre Methoden liegt im Bereich der Irrationalität, und der Weg nach oben führt zur Erschöpfung. Wenn es Gnade irgendwo gibt, dann ist sie dem normalen Menschen scheinbar nicht zugänglich. K. wird gerufen–oder mindestens glaubt er, dass er gerufen worden ist–aber dann ist es ihm unbegreiflicherweise nicht erlaubt, weiter zu gehen und etwas aus diesen Ruf zu machen. Der Mensch, oder das Wesen, oder die Täuschung, die ihn gerufen hat, bleibt vollkommen unkennbar, unbestimmt, und fabelhaft. Und weiterhin endet der Versuch, diese Verwirrung zu überwinden, mit Erschöpfung und Versagen. In Kafkas Welt ist der Mensch gleichzeitig weitsichtig und schrecklich limitiert–er ist klug genug, eine Verbindung mit dem Schloss zu suchen, aber zu beschränkt, sowohl geistig als auch physisch, den richtigen Weg dahin zu finden.

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Zitate aus Franz Kafka: Die Romane, S. Fischer Verlag, 1966.

The Expressionist Chair

SAMSUNG DIGITAL CAMERA…After a lengthy and animated discussion in my German Film seminar about the chair in Das Kabinet des Doktor Caligari. I personally would take the expressionist version any day.

Expressionism, n: a term used to describe works of art and literature in which the representation of reality is distorted to communicate an inner vision. The expressionist transforms nature rather than imitates it.

Highly recommended if you like creepy, campy silent films from 1920s Germany. Also, the aesthetics of the whole thing were rather Kafka. Behold the original:

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Being: Summer 2013

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It is a strange and contradictory summer.

Part of the time, you are entirely, freeingly unacademic. You bang down dirt roads in a rusted-out truck with no muffler and no inspection sticker, dust towering behind you. The windows are permanently rolled down, country radio permanently turned up. You help throw 300 haybales off a wagon and stack them in the barn, you set up sheep fencing, you learn how to drive the John Deere. Your father is building an outdoor oven in the garden behind the house, and you spend the last hour before dark with your little brother, balancing on top of the dome to apply the final layer of stucco. You both feel like giants, silhouetted against such a wide evening sky.

You work–six days a week as the vegetarian cook at a local farm and riding school. Up at 5:30 every morning, heat from three ovens on your face, to run a tight ship and bleach things and kill flies only when your Buddhist boss isn’t looking. You order quinoa in bulk and learn an astonishing number of ways to cook tofu. You play opera at all hours of the day, turned up as high as it will go, and make a few Cecilia Bartoli fans. You listen to talk radio, and try desperately to understand something of politics. And to your delight, you find a tiny community of intellectuals at this small Vermont farm. There is Jenn, the self-professed Feminazi, and Peter, the yogi, undergraduate degree from 70s Berkeley. You stand in the kitchen at six in the morning, pancakes burning behind you, and talk about psychoanalysis and gender roles and comparative religion with all of your might. It is a great gathering-in of perspectives, a time to ask a thousand questions you can’t ask anywhere else.

And you write. You live half in the future, on the other side of the grad school and Fulbright applications you agonize over.  You want to be in Germany, you want to get out of mid-western American academia, you want to already have your PhD and be the teacher of some students at some college, somewhere. You draw up a sort of intellectual creed for your future self, wildly romantic. Pursue REAL scholarship, the most rigorous there is, not watered down or “friendly.” Never take the easy way out. Only the exhaustive is truly interesting. Engage DIRECTLY with real ideas, texts, thinkers, the most meaningful that exist–no hiding behind secondary literature, behind works that are technically interesting but say nothing about the human soul. Focus on the connections, the dialogue, between whole genres, epochs, minds. Look the hardest ideas in the face, actively pursue Truth. The ultimate goal of scholarship must be teaching, otherwise it becomes something monstrous. Shrink from specialization. Be charitable. Be humble, but not self-effacing. Turn outwards. Elegance, humanism, joy, admiration ALWAYS.

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You start to realize how much of an idealist you are–the world is always marvelous and beautiful, even when it is horrifying. Most people are genuine and wish you well, and you wish them well in return with all your heart. Scholarship and academia and philosophy are toweringly meaningful, lovely realms. You will revel in everything, even if you are rather solitary and overworked and sometimes terrified.

The windows are flying open again, and behind it all are the lyrics of a song from a pretty exceptional band, which you listen to almost as often as the Cecilia Bartoli.

Keep the earth below my feet

For all my sweat, my blood runs weak.

Let me learn from where I have been–

Keep my eyes to serve, my hands to learn

Keep my eyes to serve, my hands to learn.

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Photography, as always, from Anna.